André Kuper setzt im Düsseldorfer Karneval auf dem Toleranzwagen ein Zeichen für die Menschlichkeit

Noch stark unter den Eindrücken des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau ist der Karnevalsumzug durch die Düsseldorfer Innenstadt gezogen. Auf Einladung der jüdischen Gemeinde fuhr André Kuper, Präsident des Landtags von Nordrhein-Westfalen, mit auf dem Toleranzwagen, den die jüdischen, muslimischen und christlichen Gemeinden erneut gemeinschaftlich organisiert hatten. Gemeinsam mit NRW-Integrationsminister Joachim Stamp, der ebenfalls mit auf dem Mottowagen war, setzte er so ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

„Der Toleranzwagen ist ein Symbol für das Miteinander, das wir in unserer Gesellschaft wieder vermehrt in den Vordergrund rücken müssen. Das hat der Anschlag von Hanau uns wieder einmal klar vor Augen geführt“, erklärte André Kuper. Im Gedenken an die Opfer war der Wagen mit einem Trauerflor versehen worden. Neben der Polizei und den Personenschützern begleiteten auch Sicherheitskräfte der Jüdischen Gemeinde den Wagen. Der Landtagspräsident trug, ebenso wie Integrationsminister Stamp, anstelle eines farbenfrohen Kostüms einen schwarzen Anzug auf dem Wagen.

So schwer es derzeit angesichts der schrecklichen Taten falle, ausgelassen zu feiern, so seien Feste wie der Karneval ein wichtiges Signal für alle Menschen, sagte Kuper. „Karneval ist Brauchtum, aus dem auch Heimat erwächst. Ich bin dankbar, auf dem Toleranzwagen im Düsseldorfer Zug mitfahren zu können und so ein Zeichen gegen Rassismus und für Menschlichkeit setzen zu können.“

Die beiden Vorstandsmitglieder des Kreises Düsseldorfer Muslime sagten aus Pietätsgründen kurzfristig ihre Teilnahme ab. „Dafür habe ich vollsten Verständnis“, wünschte Kuper ihnen viel Kraft und das Gefühl, dass die deutsche Bevölkerung ihren muslimischen und jüdischen Mitmenschen gerade in dieser schweren Zeit beistehe. Der genaue Wortlaut der Erklärung zur Absage, die auch den Medien übermittelt wurde, lässt sich hier nachlesen.

Wagenbauer Jacques Tilly hatte mit Blick auf den Anschlag einen Mottowagen mit der Aufschrift „Aus Worten werden Taten!“ gestaltet. Zu sehen war ein wütend blickender Kopf mit einer Waffe in seinem Kopf, auf dem das Wort „Rassismus“ stand. Darunter waren die Worte „NSUA +++ W. Lübcke +++ Halle +++ Hanau“ geschrieben.

Knapp 12.000 Teilnehmer umfasste der Karnevalszug, der sich durch die Düsseldorfer Innenstadt schlängelte. 131 Wagen, 90 Fußgruppen und 24 Musikkapellen tauchten die Straßen in ein buntes Farbenmeer. Der Start erfolgte pünktlich um 12.14 Uhr auf der Cornelius-/ Ecke Herzogstraße. Von dort aus ging es zum Düsseldorfer Rathaus.

Nach dem Ende des Umzugs erfuhr André Kuper, dass es in Hessen erneut einen Anschlag gegeben hat. Ein Autofahrer war während eines Karnevalsumzugs in eine Menschenmenge gefahren. Der NRW-Landtagspräsident war geschockt: „Gerade mit Blick auf den Terror von Hanau und heute Volkmarsen stehen wir ein für Demokratie, Toleranz und Miteinander – egal welcher Herkunft und welchen Glaubens.“

André Kuper beim Karnevalsumzug in Düsseldorf