06 Juli Übergabe von mehr als 600 Dokumenten an Gedenkstätten – Präsident André Kuper dankt für bürgerschaftliches Engagement
Mehr als 600 Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus sind an Gedenkstätten, Erinnerungsorte und Archive übergeben worden. Der Generaldirektor der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Wojciech Soczewica, hatte sie Anfang des Jahres aus einer abgesagten Auktion in Neuss treuhänderisch übernommen. Der Präsident des Landtags, André Kuper, dankte den Initiatoren und allen an der Übergabe Beteiligten. Zur Übergabe kamen zehn Vertreterinnen und Vertreter aus zehn bundesdeutschen Gedenkstätten und Erinnerungsorten, unter anderem aus Bergen Belsen, Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen und Hadamar, und nahmen die jeweiligen Dokumente entgegen. Sie werden nun in den jeweiligen Gedenkstätten archiviert und zum Zweck der Dokumentation und Forschung eingesetzt.
Ein Bündnis aus der Zivilgesellschaft, darunter Kirche, Politik, Unternehmer und Journalisten, hatte sich dafür eingesetzt, dass die NS-Dokumente in die jeweiligen Archive der Gedenkstätten aufgenommen werden können. André Kuper dankte den Beteiligten und auch den vielen Spenderinnen und Spendern aus Nordrhein-Westfalen, die den Ankauf der Dokumente erst möglich machten. Einen großen Beitrag dazu leistete die Bethe-Stiftung Bergisch-Gladbach mit einer Spendenverdoppelungsaktion.
Die Dokumente, darunter Lagerpostkarten, Täterbriefe und Lagergeld, stammen aus der abgesetzten Neusser Auktion „Das System des Terrors 1933-1945 Vol.II“, wo sie ursprünglich versteigert werden sollten, was vor der Auktion zu Protesten unter anderem des Fritz Bauer Institutes geführt hatte.
André Kuper, Präsident des Landtags, dankte den Initiatoren und würdigte das ehrenamtliche und gesellschaftliche Engagement. Er betonte: „600 Dokumente sind nun dem privaten Handel und Sammeln entzogen. Sie kommen in die Gedenkstätten und Erinnerungsorte, die zeigen, welches Leid die Opfer erlitten und von welchem Hass die Täter getrieben waren. Der Landtag ist der Ort, an dem wir die Dokumente übergeben. Aber die Initiative, Spenden zu sammeln, die Dokumente zu kaufen und die Übergabe zu organisieren, kam von Bürgerinnen und Bürger, Unternehmern und Schulklassen dieses Landes. Ich bin überwältigt von diesem Engagement und danke von Herzen im Sinne der gemeinsamen Verantwortung.“
Nathanel Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes, sagte: „Nachdem die Nazis versucht haben, ihre Opfer systematisch zu entmenschlichen und ihnen jede Individualität zu nehmen, dürfen wir nicht zulassen, dass ihre persönlichen Gegenstände Jahrzehnte später erneut zu bloßen Nummern in Katalogen und Auktionsportalen werden. Wo Erinnerung zur Ware wird, gerät die Würde ins Wanken. Deshalb haben Justizminister Dr. Benjamin Limbach und ich nach den Ereignissen rund um die geplante Auktion in Neuss eine entsprechende Initiative in den Bundesrat eingebracht, um den kommerziellen Handel mit persönlichen Gegenständen von NS-Opfern zu verbieten. Solche Gegenstände gehören in den Raum der gemeinsamen Erinnerung. Mein Dank gilt deshalb allen, die diese besondere Spendenübergabe möglich gemacht haben.“
Herausgeber: Der Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen
Redaktion: Dr. Stephan Malessa (Pressesprecher), Dr. Matthias Schreiber (stv. Pressesprecher)